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  • iris235

Wie privater Gemüseanbau die Welt verändern kann


Der Frühling bricht sich auch dieses Jahr wieder in Form von Schneeglöckchen und Krokussen langsam, aber sicher seinen Weg an die noch winterliche Oberfläche hindurch. Für mich als Hobbygärtnerin und angehende Selbstversorgerin ist dies die Zeit, in der ich meinen Pflanzplan für das kommende Gartenjahr vorbereiten muss. Was will ich heuer anbauen, wie kann ich Fruchtfolge und Mischkultur am besten einhalten? Da ich meine Pflanzen selbst aus Samen ziehe, muss ich darüber hinaus auch überlegen, welche und wieviele Pflanzen ich in Sämlingstöpfen im Haus wann einsäen muss. Das mag ziemlich aufwendig und kompliziert klingen, und ja für einen wirklich ausgereiften Fruchtfolge-/Mischkulturplan bedarf es einigen Wissens und Einarbeitung, aber ansonsten ist dies alles kein Hexenwerk. Auch gibt es in den unzähligen Gartenfachzeitschriften und -büchern bereits vorgefertigte Pflanzpläne, an denen man sich bzgl. Mischkultur orientieren kann, was also auch diesen Punkt erleichtert. Wer seine Pflanzen nicht selbst vorziehen will oder anderweitig die Kapazitäten, wie bspw. genügend Platz, fehlen (in dieser Phase kann man auch nicht einfach mal in den Urlaub fahren ;)), der kann sich von einer örtlichen Gärtnerei die vorgezogenen Pflanzen kaufen. Egal wie man es macht, der Anbau eigenen Gemüses ist aus Umweltschutzperspektive auf jeden Fall dem Einkaufen in jeglichen (!) Supermärkten vorzuziehen. Warum?

Nehmen wir dazu einmal an, dass jeder, der die Möglichkeit besitzt, Gemüse anzubauen, es auch tut. Auf dem Land ebenso wie in der Stadt. (Es gibt so viele private Stadtgärten, die vor sich hin verwildern oder, noch schlimmer, einfach nur aus Rasen und Eibenhecken bestehen; für all jene, die wissen, was man mit diesen Flächen alles anfangen könnte, ist solcher Anblick ein purer Graus.) Jemand, der einen großen Garten besitzt, kann mit ein wenig Geschick eine so reiche Ernte einfahren, dass er davon auch andere, wie z.B. Familienangehörige ohne Garten, mitversorgen kann (natürlich des im Rahmen unserer Klimazone Möglichen). Das bedeutet: Nützte man alle Flächen aus, könnte man den Lebensmittelbedarf, im Bereich Gemüse und Obst, eines Großteils der Bevölkerung damit decken. (Man kann natürlich weitergehen und auch die Hühnerhaltung in der Stadt wieder vermehrt einführen, dann wäre ebenso die Eierversorgung und, wer möchte, auch die Fleischfrage geklärt.)

Dies wiederum hätte zur Folge, dass kein Gemüse und Obst bzw. nur noch Exotisches, was in unseren Breitengraden nicht gedeiht (man kann ja heute nicht ohne Papayas überleben), importiert werden müsste. Zum einen würde dadurch der CO2-Ausstoß, der beim Transport der Güter und bei der Lagerhaltung anfällt, verringert werden. Zum anderen könnten Ägypten, Marokko, Äthiopien etc. ihre (sowieso schon knappen) Wasserressourcen für den Eigenbedarf nutzen, statt sie für unsere Radieschen und Kartoffeln zu verschwenden. Drittens würden Unmengen an Pestiziden eingespart werden, die kein Wasser und keinen Boden, damit auch keine Tiere, keine anderen Pflanzen und natürlich auch keine Menschen vergiften könnten. Plastikmüll würde reduziert werden, denn frisch geerntetes Gemüse aus dem Garten muss nicht verpackt werden, bevor es auf dem Teller landet. Dadurch würden unsere Weltmeere und wiederum die darin lebenden Tiere zumindest ein wenig geschont werden. Und im Endeffekt auch hier wieder der Mensch, der über den Fischverzehr das Plastik in Form von Mikroteilchen ebenso aufnimmt. Zu guter Letzt würde die Artenvielfalt, die Biodiversität unserer deutschen Natur gefördert, da nicht mehr in schädlicher Monokultur, sondern in natürlicher Mischkultur angebaut würde. Die Pflanzen freuten sich darüber, über die Pflanzen freuten sich die Insekten, über die Insekten freuten sich die Vögel usf. Und Otto Meier freute sich über die vielen verschiedenen Vogel- und Schmetterlingsarten in seinem Garten und ach, dieses Jahr gibt es ja so viele Bienen, sind die nicht eigentlich am Aussterben?...

Wie man sieht, hat das eigene Gärtnern viele Vorteile. Dass so wenige dies umsetzen, finde ich erstaunlich. Klar man braucht Zeit dafür und es sollte einem auch zumindest ein wenig Spaß machen. Aber selbst wenn man nur z.B. Zucchini, Kürbis, Stangenbohnen sowie Obststräucher und -bäume anpflanzt, kann man sich gut versorgen, ohne einen großen Zeit- und Arbeitsaufwand zu haben. Man muss ja nicht wie ein Profigärtner einen Mischkulturgarten in Perfektion anlegen, aber Obststräucher, die, wenn es hochkommt, einmal im Jahr geschnitten werden müssen, das, meine ich, ist für niemanden eine Zumutung. Andernfalls, in Zeiten, in denen "Outsourcing" als Hochleitungssport betrieben wird, gäbe es ja auch die Möglichkeit, jemanden zu engagieren, der den Gemüseanbau übernimmt oder zumindest mithilft. Dies muss nicht einmal entgeltlich geschehen, es gibt so viele "Geschäftsmodelle", die sich dabei kreieren lassen. Ich z.B. habe einem Freund, der sich mit Gemüseanbau nicht auskennt, auf seine Bitte hin in seinem Garten ein Gemüsebeet angelegt und kümmere mich um Anbau und Pflege (das Gießen übernimmt schon auch mal er ;)) und wir teilen uns die Ernte. Funktioniert einwandfrei.

Der Trend hin zur "Selbstversorgung" besteht ja momentan erfreulicherweise schon. Aber ausgeschöpft ist er noch lange nicht. Auch die Städte könnten viel mehr dazu beitragen, man denke an die sog. "essbaren Städte", wirklich tolle Vorbilder, - wieso wird dies nicht verstärkt nachgeahmt? Oder auch der Staat könnte bspw. durch Subventionen, Steuerbegünstigungen oder ähnliches den Eigenanbau unterstützen.

Aber es sei vor allem an alle Privatleute appelliert, die einen Garten besitzen. Baut Gemüse an oder lasst es anbauen und teilt! Es gibt kaum etwas Erfüllenderes als aus seiner eigenen Erde eine Gelberübe zu ziehen. Wenn man diese gegessen hat, will man nie wieder gekaufte - was für ein geschmacklicher Unterschied es doch ist! Nie wieder niederländische Tomaten! (Nichts für ungut, Holland, aber die schmecken einfach nach nichts ;)) Nie wieder pestizidbeschichtete Gurken! Nie wieder dreifach verpackte Salate!

Was für ein gesundes Leben wir doch alle führen könnten...


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