Ich will nicht sterben! - Schlachtung

 

Die extrem hohe Nachfrage nach Fleisch in der heutigen Zeit führt zu einer untragbaren Art und Weise wie die, i.d.R. nicht artgerecht gehaltenen, mit Medikamenten vollgestopften, Masttiere geschlachtet werden. Der Fleischverzehr hat sich seit 1850 in Deutschland vervierfacht, d.h. ein Deutscher isst durchschnittlich pro Jahr 54kg Schweinefleisch, 18kg Geflügel-, 12kg Rind-, 2kg Hasen- sowie 1kg Lammfleisch. Doch den meisten ist nicht bewusst, was hinter ihrem hohen Fleischkonsum steht, den sie mittlerweile für selbstverständlich halten und als ihr Recht ansehen. Um ein derart hohes Fleischangebot bereitzustellen, werden Millionen von Masttieren unter absolut unzureichenden, oft haarsträubenden Bedingungen geschlachtet. Schließlich soll der Prozess "ökonomisch" sein, das heißt, es gilt möglichst viele Tiere in möglichst kurzer Zeit zu töten. "Je mehr Produkte, desto mehr Gewinn", lautet das Motto. So ist leider heutzutage auch dieser Sektor von streng kapitalistischen Grundsätzen geprägt. Jedoch sind diese vollkommen fehl am Platz (inwieweit sie an anderer Stelle passender sind, ist fraglich), handelt es sich hier doch um den Umgang mit fühlenden Lebewesen. Dieser darf nach ethischen Grundsätzen nicht von rational-ökonomischen Leitlinien bestimmt werden. In nahezu allen anderen Bereichen wird stolz und gebetsmühlenartig auf unsere "westliche, ethische Wertegesellschaft, auf Menschlichkeit" gepocht, weshalb dann nicht in diesem bedeutenden Sektor? Die Antwort liegt (auch hier) auf der Hand: Es lässt sich viel, sehr viel Geld damit verdienen. Und wo es auf dieser Welt um Bilanzen geht, ist es (wie schon unter dem Punkt Tiertransporte erwähnt) um die sog. "Humanität" nicht gut bestellt.

"Eine dreiviertel Milliarde Tiere sterben jedes Jahr in deutschen Schlachthöfen – die meisten davon nach einem kurzen, schmerzhaften Leben in der Intensivtierhaltung" (WWF: Fleischgenuss mit Folgen, 2015). 600 Mio. davon sind allein Hühner, welche als Chickenwings (ich sage nur: KFC), Brathändl u.ä. auf unseren Tellern enden. An Schweinen werden pro Jahr in Dtl. 58 Mio. geschlachtet, den restlichen Anteil teilen sich Rinder, Ziegen, Kaninchen, Schafe, Wild etc.  (Die Zahlen für die EU belaufen sich auf unfassbare 360 Mio. Schweine, Schafe, Ziegen, Rinder sowie 4 Milliarden Geflügeltiere, welche jährlich für uns sterben!)

Die gängigen Betäubungsmethoden im Schlachtungsprozess sind bei Rindern der Bolzenschuss, bei Schweinen die Elektrozange und CO2, bei Geflügel das elektrische Wasserbad. Sobald die Tiere betäubt sind, werden sie entblutet, was zum baldigen Tod führt. Wenn die Betäubung richtig durchgeführt wurde, empfindet das Tier beim Entbluten nichts mehr, es ist ja bewusstlos. Doch immer wieder kommt es vor, dass die Betäubung schlampig durchgeführt wird und das Tier die Schlachtung bei vollem Bewusstsein miter-leidet. Das ist zum einen auf die Zeitvorgabe (die Schlachtung gleicht in großen Schlachthöfen der Akkordarbeit), zum anderen auf die mangelhafte Ausbildung der Schlachthofmitarbeiter zurückzuführen.

Ich persönlich kann es nicht ertragen, geschweige denn vertreten, wenn Tiere für mich sterben müssen. Doch wenn man Fleisch unbedingt essen will und mit diesem Umstand klar kommt, dann sollte man zumindest darauf achten, dass dieses Tier ein schönes Leben hatte und eine "respektvolle Tötung" erfährt. Das ist meines Erachtens das Mindeste, was man einem solchen Tier an Wertschätzung entgegenbringen sollte, denn schließlich opfert es sein Leben für uns.

Wenn man also Fleisch kauft, dann doch lieber in kleinen Metzgereien, wo Qualität und Herkunft des Fleisches gesichert sind, am besten von einem regionalen Kleinbauernhof und ebensolchem Schlachthof. Und dies in Maßen, nicht in Massen! Vielleicht sollte man wieder zum wöchentlichen "Sonntagsbraten" von einst zurückkehren, denn hier gilt das gleiche Prinzip wie auch sonst überall: wenn man auf Quantität verzichtet, kann man sich mehr Qualität leisten. Dieses Lebensmotto sollte sich unsere westliche Konsumgesellschaft dringend wieder aneignen.

© 2019 Impressum

  • Instagram