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  • iris235

Die Suche nach einer guten Welt


Ich befand mich in letzter Zeit in einer Phase des Zweifelns an der Sinnhaftigkeit von umweltschützenden Bemühungen. Oder vielmehr war ich von der Aussichtslosigkeit jener überzeugt. Dies ist auch der Grund, weshalb ich mich nun letztendlich doch dazu entschlossen habe einen Blog zu schreiben (bisher hatte ich mich geweigert ein weiteres Sandkorn am endlosen Strand der Blogger zu werden), da ich glaube, dass viele das gleiche oder ein ähnliches Problem haben wie ich.

Ich möchte nicht sagen, dass ich diese Phase des Zweifelns schon ganz überwunden habe (sofern ich diese jemals gänzlich überwinden werde), und auch nicht, dass ich diese nicht schon seit Jahren immer wieder kenne. Doch diesmal war es anders. Diese Krise war (um im kontextuellen Sprachgebrauch zu bleiben) nachhaltiger als die vorigen. Warum? Ich war in diesem Sommer einige Wochen in Neuseeland (NZ). (Ja ich weiß, ich habe mein CO2-Kontingent bis an mein Lebensende mit dieser Reise aufgebraucht ;) ) Für mich war Neuseeland bisher immer eine Art Vorreiter, wenn es um Umweltschutz, allen voran Tierschutz (man denke an Neuseelands Beschluss, Tiere grundgesetzlich als fühlende Lebewesen festzusetzen - bekannt als "Animal Welfar Bill"), ging. Als "leuchtendes Beispiel" gilt Neuseeland unter Tierschützern, so zumindest wird es dem normalen Bürger verkauft. Meine Erwartungen waren also durchaus groß. Doch noch größer war meine Enttäuschung als ich feststellen musste, dass bei den Bewohnern im neuseeländischen Alltag kaum eine tier- oder naturschützende Einstellung an ihrem Verhalten zu erkennen war. So zumindest das subjektive Fazit meiner folgenden Beobachtungen: ich habe noch nie in meinem Leben so viele überfahrene Tiere auf Straßen gesehen wie auf den beiden Inseln. Von den meisten Tieren wusste ich nicht einmal, dass es sie in Neuseeland gibt, wären sie nicht tot auf der Straße gelegen. (Und man kann das kaum auf den starken oder zu schnellen Verkehr schieben, - so wenig Verkehr wie in NZ habe ich noch nie erlebt und auf allen Straßen herrscht ein Tempolimit von meist 100km/h, an das sich erfahrungsgemäß der Großteil der Autofahrer hält). Daneben wird in NZ unfassbar viel Fleisch konsumiert. Klar es gibt dort zig-mal mehr Kühe und Schafe als Menschen, doch rechtfertigt dies in meinen Augen keinen überhöhten Fleischkonsum. Dann züchtet man eben weniger Tiere! Die Beobachtung aber, die mich eigentlich fast am meisten schockiert hat, ist, dass man in den Supermärkten pro Einkauf im Schnitt 8 Plastiktüten als Tragetaschen bekommt. Die Kassierer packen die Produkte je nach Kategorie (z.B. Butter kommt nicht in eine Tüte zusammen mit Weinflaschen, Toast nicht zusammen mit Käse etc.) selbst in Tüten ein, oft doppelt oder dreifach, damit die Tüten beim Tragen nicht reißen. (Ich habe sehr schnell gelernt, rechtzeitig zu sagen, dass ich keine Tüten brauche. Das war den meisten Verkäufern, ihrem Gesicht nach zu urteilen, äußerst befremdlich.) Und das in einem Land, das im Pazifik liegt, der wie kaum ein anderer Ozean mit Plastikmüll zu kämpfen hat! (Wobei natürlich jetzt klar ist, warum gerade der Pazifik so betroffen ist - in Australien ist es nämlich nicht anders und von Asien und Amerika brauchen wir gar nicht erst anfangen).

Was mich nur einfach verwundert, nein vielmehr erschüttert, ist, dass die Doppelmoral in NZ offenbar sogar noch größer ist als die deutsche. Und ich dachte immer bei uns wäre es schlimm!

Denn auf der einen Seite gibt es in NZ an jeder Ecke einen Nationalpark zum Schutze der Flora und Fauna, es herrschen so strenge Einreisevorschriften wie sonst kaum in einem Land (es sollen ja keine fremden Pflanzen- oder Tierarten eingeschleppt werden), und auch die Einwohner selbst sind sehr empfindlich, wenn es um die Verschmutzung ihres Landes durch Touristen geht. Welche meiner Beobachtung zufolge aber ironischerweise oft von den Einheimischen verursacht wird und nicht von Touristen.

Mein Problem also: wie soll man bloß das Denken und vor allem das eigenverantwortliche Handeln der Menschen verändern können, wenn es augenscheinlich nicht einmal in einem Land wie Neuseeland geht, welches wahnwitzigerweise zu den positiven Beispielen gehört?!

Ich habe bisher keine Antwort gefunden. Doch mit der Aussage, es ändere sich erst etwas, wenn der Einzelne direkt negativ betroffen ist, kann und will ich mich nicht abfinden. Denn dann ist es wirklich zu spät! Jetzt besteht noch die Möglichkeit, das Allerschlimmste abzuwenden, auch wenn bereits vieles verloren ist. Wieso also handelt niemand? Wieso übernimmt keiner die Verantwortung für seinen Lebensstil?

Man muss nicht die gesamte Welt verändern. Ein derartiges Vorhaben kann nur in Resignation enden. Man muss auch nicht zwangsläufig alternativen ökologischen oder sozialen Verbänden oder Gruppierungen beitreten (ich bin bei keinem/r einzigen). Doch wenn ein jeder verantwortungsbewusst und in Konsequenzen denkend seinen Lebensstil auch nur um ein kleines Bisschen zum Guten ändert, wäre der Welt um ein Vielfaches geholfen. Denn, und hier kann ich mal wieder auf ein von mir sehr gern zitiertes Sprichwort aus der "guten, alten" Zeit zurückgreifen: auch Kleinvieh macht Mist. Im Einzelnen vermag ein verantwortungsbewusstes Leben vielleicht nicht viel auszurichten, doch in der Summe kann es tatsächlich die Welt verändern!

Springen wir doch endlich über den Schatten der Bequemlichkeit und des inneren Schweinehundes und ändern unsere Lebensweise. (Und nicht nur indem wir unser Gewissen beruhigen, weil wir ab und zu im Basic oder Naturkostladen einkaufen. Dazu gehört schon mehr als das. So einfach können wir es uns nicht machen.)

Die Welt/Natur erträgt nicht noch mehr Egoisten, sie ist schon voll genug von ihnen. Die Welt/Natur ist ein lebendiger Organsimus, der auf Zusammenarbeit und Kooperation beruht. Nur wenn jeder auf seine Umwelt acht gibt, kann dieser Organismus optimal funktionieren und leben. Und nur wenn dieser lebt, leben auch wir. Nur wenn dieser gut lebt, leben auch wir gut. Ich glaube genau dieser Zusammenhang ist vielen nicht ganz klar. Natürlich geht es uns westlichen Menschen momentan gut, aber den meisten Menschen und Tieren auf der Welt geht es nicht gut. Irgendwann wird uns unsere egoistische Lebensweise einholen und ich wage zu behaupten, dass dies nicht mehr lange dauern wird. Die ersten Anzeichen machen sich ja schon langsam bemerkbar. (Ich enthebe hierbei aber nicht die restliche Welt von ihrer Verantwortung. Ebenso wie wir westlichen Menschen tragen die anderen ihren Teil zu einer funktionierenden Welt bei und alle Schuld ausschließlich bei den industrialisierten Ländern zu suchen ist genauswenig richtig wie sie auf andere abzuwälzen!)

Uns von unserem jetztigen Lebensstil vollkommen abzukehren, ist wohl kaum möglich. Es gibt so vieles zu beachten, wenn man (tier-,umwelt-,sozial-)ethisch leben möchte, dass man sich oftmals in gegensätzlichen Aussagen verstrickt oder einfach gar überfordert ist von dieser Informationslast. Aber auch hier wie in allen anderen Bereichen, denke ich, ist der Mittelweg der richtige. Kompromisse finden, dies ist die einzig gangbare Methode in unserer heutigen Gesellschaft bzw. im eigenen individuellen Leben. Man kann nicht ständig nehmen, aber nichts dafür geben. Auf diesem Prinzip ist unsere Welt nicht aufgebaut und es wäre schlimm, wenn sie es wäre. Denn nichts ist schöner als zu geben! Also gebt anderen ein besseres Leben, indem ihr auf einen kleinen Teil Bequemlichkeit "verzichtet"!

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