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Die tugendhafte Seite der Disziplin

Der heutige Beitrag wird ein (hoffentlich) motivierender: ich möchte nämlich ein Thema ansprechen, das in der Gegenwart leider recht negativ konnotiert ist. Nämlich Disziplin. In einer Gesellschaft, in der alles Anti-Autoritäre in ziemlich zweifelhafte Höhen gelobt wird, gilt Disziplin (als Bestandteil autoritärer Erziehung/Verhaltens) nicht mehr als Tugend, vielmehr wird sie als veraltet, historisch vorbelastet und schlicht unnötig erachtet.

Aber wenn wir mal ehrlich sind, würde ein wenig (mehr) Disziplin in unser aller Leben nicht schaden, oder? Nun mögen diejenigen, die geregelten Arbeitszeiten unterworfen sind, einwenden, dass sie diszipliniert jeden Morgen zur selben Zeit aufstehen, um in die Arbeit zu gehen. Und damit haben sie recht. Doch was geschieht in der Freizeit, oder vielleicht sogar während den acht Stunden im Büro? Wo findet man dort Disziplin?

Es beginnt nämlich meistens schon damit, dass man seine Vorsätze, regelmäßig zum Sport zu gehen, jeden Tag zu meditieren, abends nichts mehr zu essen, weniger Alkohol zu trinken, mit dem Rauchen aufzuhören, etc. nur allzu bereitwillig bei der ersten Gelegenheit über Bord wirft. Wie oft habe ich mir schon viele dieser Dinge vorgenommen und nach zwei, drei Tagen fällt man bereits wieder in die alte Routine. Wieso bloß ist es so schwer den inneren Schweinehund zu überwinden?

Der Psychologe Erich Fromm beschreibt Disziplinlosigkeit in seinem bereits 1956 veröffentlichten Buch „Die Kunst des Liebens“ als Rebellion gegen die Arbeitsroutine des Lebens. Als ich kürzlich den darin enthaltenen Abschnitt über Disziplin gelesen habe, war ich vollkommen überrascht, dass die gleichen gesellschaftlichen bzw. charakterlichen Merkmale bereits damals in solch ausgeprägter Form existierten, dass sie eins zu eins auf die heutige Gesellschaft angewandt werden können. Und das in einer Zeit, in der eigentlich noch die alten Werte gelebt wurden, in der der Begriff „Freizeit“ erst langsam aufkam. Kein Wunder, dass heutzutage erst recht (fast) niemand mehr einen disziplinierten Lebensstil führt. In einer Welt der sofortigen Lustbefriedigung und Bequemlichkeit, in der man kaum noch etwas selbst machen muss und alles als selbstverständlich vorausgesetzt wird, wozu braucht man da Disziplin?

Fromm hat recht, wenn er die obenerwähnte Rebellion als „Sichgehenlassen“ bezeichnet. Denn was anderes ist ein Mangel an Disziplin als sich gehen zu lassen? Wenn ich statt Sport zu treiben mich mit Chips und einem Glas Wein (ich umschiffe mal absichtlich das Klischee des Bieres) abends vor den Fernseher fläze, dann lasse ich mich gehen, dann schade ich mir damit selbst. Aber nicht nur der eigene Körper und die eigene Psyche können Nachteile mangelnder Disziplin spüren, denn es gehört auch eine Menge an Diszipliniertheit dazu, im Supermarkt nicht nach dem in plastikeingepacktem Fertigprodukt zu greifen, um sich die Mühe und Arbeit zu sparen das Nahrungsmittel selbst herzustellen. (Ich spreche aus Erfahrung!) Somit leidet die Umwelt genauso unter unserer Disziplinlosigkeit wie wir selbst. Auch würden Millionen von Tieren es einem danken, wenn man an der Fleischtheke bzw. dem Kühlregal mit Fleischwaren einfach vorbeiginge statt wieder der Lust nach Fleisch nachzugeben. Der Mensch braucht nicht notwendig Fleisch zum überleben, und schon gleich gar nicht jeden Tag. Wieso also wird so viel Fleisch gegessen? Ist es nur Lustbefriedigung?

Nein, nicht nur. Es ist mit Sicherheit bei vielen schlicht die Gewohnheit. Denn im Grunde sind all unsere Taten nur Konditionierungen, Gewohnheiten. Man braucht also Disziplin nur so lange aufzubringen bis man die Gewohnheit gebrochen und sich eine neue zugelegt hat. Das klingt doch gar nicht so schwer, oder?

Ich glaube, wenn man es einen Monat lang aushält diszipliniert eine Sache regelmäßig zu tun (oder nicht zu tun), dürfte dies ausreichen, eine neue Konditionierung zu schaffen. Es hängt also nur an der Willensstärke. Wie sehr will ich abnehmen, wie sehr will ich das Rauchen aufhören etc. Wenn der Wille nicht da ist, kann es nichts werden. Disziplin bedeutet also nichts anderes als ausreichende Willensstärke und damit einhergehend auch Ausdauer zu besitzen. Jeder erfolgreiche Mensch hat diese Eigenschaften. Man kommt nicht an die Spitze, indem man sich gehen lässt.

Wer erfolgreich werden möchte, wer ein zufriedeneres Leben führen möchte, wer die Umwelt schützen möchte, wer seine Träume verwirklichen möchte, der muss also nur genug Willensstärke und Ausdauer aufbringen und alles kann gelingen. Ja, aber das ist leichter gesagt als getan, wird die kleine Stimme im Kopf gleich wieder einwenden.

Aber: ist das denn nicht auch nur ein Glaubenssatz? Wer sagt denn, dass es leichter gesagt als getan ist? Beweist es euch. Seid diszipliniert in den Dingen, die ihr anstrebt, und seht was geschieht. Wer will denn schließlich schon schwächer als sein Schweinehund sein?

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